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"Wir haben eine Lücke entdeckt"

WN-Gespräch mit der Vorsitzenden der Saerbecker Senioren-Union

Foto: Monika Gerharz

Frau Niehoff, Sie waren 20 Jahre im Saerbecker Rat, seit 1998 sind Sie Vorsitzende der Senioren-Union, die in Saerbeck in diesem Tagen 20 Jahre alt wird. Haben Sie sich schon immer für Politik interessiert?

Paula Niehoff: Nein, das ist erst später gekommen. Mein Mann war lange Jahre im Vorstand der CDU, wir haben zu Hause viel über Politik gesprochen. 1973 bin ich zu einer Mitgliederversammlung mitgegangen, da ging es um die Kandidatenaufstellung für den Rat, ein Bekannter hat gesagt: Ich schlag dich jetzt vor - und dann gab es zwischen mir und einer anderen Bewerberin sogar eine Stichwahl um einen Listenplatz (lacht). Und ich hatte ein paar Stimmen mehr.

Dabei gab es bis dahin kaum Frauen im Rat . . .

Paula Niehoff: Bis dahin war die Politik eine Männerdomäne, und als Frau musste man erst die Courage entwickeln, den Mund aufzumachen. Aber ich muss sagen, dass man in Saerbeck Frauen gegenüber sehr aufgeschlossen war. Wir waren damals drei Frauen in der Fraktion . .

Heute sind es nicht mehr so viele.

Niehoff: Aber die Fraktion war damals größer, wir hatten eine satte Mehrheit.

War die Ratsarbeit am Anfang schwierig?

Niehoff: Ich kam aus der Landwirtschaft, wir siedelten damals aus, ich kannte die Probleme der Außenbereiche, dazu konnte ich etwas sagen. In die übrigen Themen wächst man rein, und man kann ja immer fragen. Schwierig war es am Anfang, den Haushalt zu verstehen. Ich habe immer die Reporter bemitleidet, die das alles auch noch in Worte kleiden mussten.

Was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht an der Ratsarbeit?

Niehoff: Man bekommt für vieles einen ganz anderen Blick. Man versteht, dass nicht alles machbar ist. Ich habe wirklich für Politik ein ganz anderes Verständnis bekommen, das ist ein großes Plus, und ich kann verstehen, dass es vielen schwer fällt, mit der Ratsarbeit aufzuhören.

Was war denn das wichtigste Projekt in Ihrer Zeit im Rat?

Paula Niehoff: Die Gesamtschule, ohne Zweifel.

Sie waren dafür?

Niehoff: Ich war dafür, weil wir eine Schule am Ort haben müssen. Das Thema hat uns lange beschäftigt, denn in der CDU gab es dazu große Meinungsunterschiede. Es gab schließlich eine geheime Abstimmung, und die Mehrheit war dafür.

Aber eine Zerreißprobe war es für die Partei schon, oder?

Niehoff: Das war’s, ohne Frage. Wir kriegten auch richtig Schelte von der Parteispitze – angefangen bei der Kreisebene. Aber es gab kein anderes Konzept für eine Gemeinde wie Saerbeck. Die Zeit hat gezeigt, dass die Entscheidung letztlich richtig war. Und das ist ein schönes Gefühl.

1988 ist auf Bundesebene, 1992 im Dorf die Senioren-Union gegründet worden. Waren Sie damals mit dabei?

Niehoff: Zu der Zeit hatte ich kein großes Interesse, da mitzumachen. Erst als mein Mann 1995 starb, habe ich mal diese, mal jene Veranstaltung mitgemacht, kam dann auch in den Vorstand. Als Franz Entrup 1998 aufhören wollte, habe ich dann den Vorsitz übernommen.

Und Sie werden es hoffentlich noch eine Weile weitermachen . . .

Niehoff: Eigentlich ist es Zeit für die Ablösung, da muss mal was Neues rein. Aber Nachfolger sind leider rar gesät . . . Ich habe zum Glück einen Vorstand, der sehr aktiv mitarbeitet. Aber dieser Vorstand wird älter, das ist unser Problem.

Welches ist die Kernaufgabe der Senioren-Union in Saerbeck?

Niehoff: Mit unseren Fahrten haben wir einen wichtigen Platz im Veranstaltungsangebot der Gemeinde. Da haben wir eine Lücke entdeckt. Besonders Firmenbesichtigungen sind bei meiner Generation sehr beliebt, das kommt an.

Sie verstehen sich aber auch als Interessenvertreter der Senioren?

Niehoff: Das sind wir. Gerade dadurch, dass wir in Saerbeck Veranstaltungen für Senioren machen und auf so große Resonanz stoßen, wird deutlich, wie viele ältere Menschen es gibt, und dass sie ein fester Bestandteil Saerbecks sind. Und umgekehrt bekommen die älteren Leute Selbstbewusstsein, denn durch uns wird sichtbar: Wir sind eine große Gruppe in der Gesellschaft.

Was wäre ein Anliegen der Älteren in Saerbeck? Etwa die Sanierung des Kirchplatzes?

Niehoff: Gewiss. Ich weiß, dass dieses Vorhaben in Verwaltung und Rat unumstritten ist. Aber ich weiß auch, dass das zur Zeit aus finanziellen Gründen nicht möglich ist. Ich bin als Seniorenunions-Vorsitzende Mitglied im CDU-Parteivorstand, da kriege ich mit, was in der Gemeinde passiert. Aber ich muss auch sagen: Vieles, was mit dem demografischen Wandel zu tun hat, ist nicht nur Sache der Gemeinde, sondern der Vereine. Die Angebote müssen aus den Vereinen kommen – wie zum Beispiel das Mehrgenerationenhaus. Ich habe den Eindruck, dass die Vereine das im Blick haben.

Der Bioenergiepark ist derzeit wohl Saerbecks größtes Projekt. Was halten Sie davon?

Niehoff: Ich finde es großartig. Da bewundere ich unseren Bürgermeister, dass er die Idee hatte. Aber ich bin auch froh, dass ich nicht im Rat die Entscheidungen treffen muss. Es gibt ja keine Präzedenzfälle, es ist absolutes Neuland – ein Wahnsinnsprojekt.

Sie haben sechs Kinder und 14 Enkel. Haben die auch Spaß an Politik?

Niehoff: Bisher noch keiner. Und ob sie zur CDU gehen würden, das ist die Frage. Aber wer weiß . . .




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